Meine Lebensformel

Menschen werden mit bestimmten Erbanlagen geboren und im Laufe ihres Lebens treten manche Eigenschaften besonders hervor.
Andere widerrum, zum Beispiel besondere Talente, können sich mit den Jahren, in denen man sie vernachlässigt, zurückentwickeln.
Manchmal wundert man sich über charakterliche Besonderheiten, welche in der eigenen Familie bisher noch nicht vorhanden waren.
Während beim Sonntagsessen zu Besuch bei den Großeltern das Gesangstalent der Enkelin eindeutig als Erbgeschenk der Großmutter erkannt wird.
Es gibt Menschen, die scheinbar keine besonderen Talente besitzen.
Sie können weder singen, noch sind sie ein mathematisches Genie und haben zu allem übel auch noch motorische Schwierigkeiten.
Wir lernen Menschen kennen, deren Arbeitseifer wir eindeutig als zu gering einstufen.
Die sogenannte Dummheit oder Faulheit sind in der Gesellschaft besonders verpönt.
Jeder erwischt sich manchmal dabei, sich ein Urteil über andere Personen zu bilden.
Im Grunde genommen beginnt dieses Auswahlprozedere, Menschen in  I / II /III  Klasse einzuordnen, schon im Kindergarten.
In mancher Hinsicht mag dies auch hilfreich sein, zum Beispiel wenn es darum geht welche Schule das Nesthäkchen künftig besuchen wird.
So wird es uns ermöglicht, die passende Förderung zu erhalten und auf dem Niveau unseres Leistungsstandards zu arbeiten.
Doch darf man nicht vergessen, dass hinter vielen Auswahlverfahren ebenfalls Menschen stecken.
So kann es zum Beispiel passieren, dass ein unkonzentriertes, aufgewecktes Kind der Zugang zu einem Gymnasium verwehrt wird, weil die Menschen, die über die Zukunft dieses Kindes entscheiden oder mitentscheiden einen falschen Eindruck von dessen Leistungs und Lernqualitäten gemacht haben.
Seit Langem beschäftige ich mich mit Fragen, die sich mir in solchen oder ähnlichen Fällen stellen.
Aber es gibt eine Frage die mich am meisten bewegt und fesselt.
Wieso stören wir uns so sehr an der Lebensweise der anderen?
Wieso sind die Schwächen der anderen manchmal so unerträglich für uns, obwohl uns diese eigentlich gar nicht betreffen?
Natürlich sind uns Menschen mit der Devise 'den geringsten Arbeitsaufwand wie möglich' meistens unsympathisch.
Doch wieso eigentlich?
Wenn wir uns die Mühe geben jeden Menschen als Individuum anzusehen und Platz für Schwächen einzuräumen, können wir so manches Mal überrascht sein wie sehr uns unsere eigene Menschenkenntnis hinter das Licht führen kann.
Ich würde einen 'faulen' Menschen, der jedoch ein sehr großes Herz und immer ein Ohr für seine Mitmenschen hat, lieber in meinem Freundeskreis wissen, als das Arbeitstier, welches verbittert durch das Leben geht und seinem Umfeld grundsätzlich nur das schlechteste wünscht.
Jedoch haben Erstere in der Gesellschaft meist einen schlechteren Stand.
Natürlich entrüste ich mich auch manchmal über andere Menschen und ich weiss ebenso gut, dass man ein solches Verhalten besser vermeiden sollte.
Denn ich habe für mich festgestellt, dass ich mit meiner Devise am Besten beraten bin.
'Leben und Leben lassen; solange man mit seinem Verhalten anderen Menschen nicht schadet.'
Ich habe vor einiger Zeit beschlossen, mich nicht an dem Erscheinungsbild, den Ansichten, dem Familienstand oder der Berufung anderer Menschen zu stören.
Ich störe mich erst daran, wenn diese mit ihrem Verhalten andere in Mitleidenschaft ziehen.
Dadurch ist mir aufgefallen, dass ich mich an den Menschen störe, die anderen Menschen keinen Respekt erweisen, bloß weil diese eventuell 'faul' oder 'dumm' sind.
Egal, wie wenig Arbeitsstunden eine Person am Tag wider Willen ableistet, auch egal ob ein Mädchen im Unterricht noch immer nicht sagen kann, wo Moskau liegt, ebenso egal ob ein Volk an einen Sonnengott glaubt obwohl die Menschen in London die meiste Zeit bloß Regen sehen - nicht egal, ob das Leben dieser von den Mitmenschen negativ beeinflusst wird, bloß weil man Selbst mehr arbeitet, intelligenter ist und man den Glauben an Sonnengötter für Rückläufig hält.
Ich möchte mich nur noch auf die sozialen Kompetenzen und das Leben sowie die Geschichte, die in den Einzelnen stecken, konzentrieren.
Denn am Ende stehen wir alle vor dem selben Richter und müssen uns für unsere eigenen Taten verantworten, die sich nicht mit den Taten anderer rechtfertigen lassen.
Ich möchte jedes Lebewesen zu schätzen wissen und der Wert der Lebewesen lässt sich nicht nach Größe oder Intelligenz bemessen.
In meinen Augen ist jedes Lebewesen gleich viel wert und ich versuche die Welt wieder mit Kinderaugen zu entdecken.
Kinder, die sich manchmal über einen Marienkäfer in der Handfläche mehr freuen, als über das neue Matchboxauto.

Natürlich ist dies lediglich meine Sicht des Lebens und ich möchte mir nicht anmassen diese als die einzig richtige zu verkaufen. Denn wie ich schon erwähnt habe ist mein Motto 'Leben und leben lassen' und das bedeutet eben auch, andere Ansichten zu akzeptieren.

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